20 Jahre und schon ein eigener Hof – und andere Betriebe…
Steinberg am Rofan, 1.000 Meter Seehöhe: Hier liegt der Obermooshof, seit Generationen in Familienbesitz und mit Wurzeln, die lange zurückreichen. Und genau hier hat Anna Moser eine Entscheidung getroffen, die viele in ihrem Alter niemals treffen würden: den Familienbetrieb freiwillig zu übernehmen. Nicht, weil sie musste – ihr Vater Thomas etwa hatte als ältester Sohn damals keine Wahl. Anna schon. Ihre Geschwister schlugen andere Wege ein, doch für Anna stand fest: Den Hof aufzugeben, war keine Option.
Drei Betriebe, ein Leben
Wer denkt, eine Hofübernahme bedeutet, gemütlich in die Fußstapfen der Eltern zu treten und alles beim Alten zu lassen, kennt Anna nicht. Sie bewirtschaftet ca. 20 Hektar Grünland und 30 Hektar Wald, führt den Betrieb mit rund 30 Kühen samt Nachzucht und zwei Haflingern. Im Sommer bewirtschaftet sie die Schönjochalm auf fast 1.300 Metern Seehöhe, im Winter die Silberwaldhütte samt Apartment – und das alles parallel zu Jobs bei der Agrarmarkt Austria (AMA), wo sie als Flächen- und Rinderkontrolleurin tätig ist.
Modernisieren statt verwalten
Seit der Übernahme krempelt Anna den Hof um: Der alte Stall wich einem modernen Laufstall, eine neue Maschinenhalle und ein eigener Silo mit Presse wurden errichtet. Jede Kuh trägt heute einen Bolus-Sensor im Magen, der 24/7 Vitalwerte wie Trinkverhalten und Wiederkäuaktivität aufs Smartphone meldet. Doch bei aller Hightech bleibt Anna nüchtern: Ihre Tiere zu vermenschlichen, lehnt sie ab. Eine Bio-Zertifizierung sieht sie kritisch, weil sie vor allem bürokratischen Mehraufwand bedeutet, statt das Tierwohl im Alltag tatsächlich zu garantieren. Was zählt, ist die echte, tägliche Betreuung – keine Marketing-Romantik.
Familienfrieden als Fundament
Dass der Generationenwechsel am Obermooshof als Vorzeigebeispiel gilt, liegt an einer seltenen Zutat: echtem Vertrauen. Annas Mutter Monika brachte einst als Quereinsteigerin frischen Wind auf den Hof und formulierte früh das Prinzip: Kein Kind sollte sich verpflichtet oder gar genötigt fühlen, den Familienbetrieb übernehmen zu müssen. Annas Bruder baute nur 50 Meter nebenan sein eigenes Haus und hilft mit, wenn Not am Mann ist, ohne Neid oder Erbstreitigkeiten. Annas Erfolgsrezept: „Hofübergeber müssen loslassen können – und die Jungen müssen mit Freude in den Tag starten.“
Eine Familiengeschichte mit Pioniergeist
Der Mut zur Veränderung liegt bei den Mosers in den Genen: Annas Großvater baute in den 1960er-Jahren den ersten Schlepplift im Tal eigenhändig auf die Wiese und fuhr als Erster die Milch im Winter mit dem Auto hinaus. Ihre Großmutter, eine gebürtige Wienerin, reiste einst im tiefsten Winter auf der Pritsche eines Viehhändlers nach Steinberg, um dort als einzige Lehrerin 40 Kinder in acht Schulstufen zu unterrichten. Querdenken hat hier Tradition.
Erbhof Bürokratie
Eine bürokratische Absurdität beschäftigt Anna besonders: Der Hof steht kurz vor der Verleihung des offiziellen Titels „Erbhof“ (200 Jahre lückenlose Bewirtschaftung in direkter Linie). Der Haken: Weibliche Hofübernehmerinnen wurden historisch von den Ämtern oft schlicht ignoriert. Hatte vor Generationen eine Tochter übernommen, begann die 200-Jahre-Frist rechtlich einfach von vorne. Annas trockener Kommentar: „Das absolut Verrückteste überhaupt.“
Live auf der Rauchzeichen-Couch in Schwaz
Wie Anna zu fairen Milchpreisen steht, warum sie Bauernproteste meidet und wofür sie sich echte gesellschaftliche Wertschätzung wünscht – das erzählt sie ungeschminkt beim Rauchzeichen Open Air am 16. September im Rathaushof Schwaz.
Wann & Wo:
📅 Mittwoch, 16. September 2026
⏰ Einlass ab 17:30 Uhr („Bites, Drinks & Vibes“) | Beginn 18:30 Uhr
📍 Rathaushof Schwaz (Open Air)
Hinter den Kulissen: Anna Moser im Porträt
Hier kannst du dir die offizielle Dokumentation zur Hofübernahme von Anna Moser ansehen:






